Ganz kurze Frage noch — was soll ich denn eigentlich anziehen?

Autor:

Sandra Felke

Fotografin für Personenmarken, Trainerin der ASC-Methode®, seit 18 Jahren am Sucher. Sandra Felke arbeitet mit leisen Expertinnen, die fachlich überzeugen und online untergehen. Hier schreibt sie über Sichtbarkeit, Präsenz und den Weg von unsichtbar zu ausgebucht.

VERÖFFENTLICHT:
Juli 22, 2026
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Der Abend vor dem Shooting hat eine feste Choreografie. Kleiderschrank offen, Bett voll, drei Blusen im Wechsel vor dem Spiegel. Um 22:40 liegt alles wieder auf einem Haufen und du schreibst mir: „Ganz kurze Frage noch — was soll ich denn eigentlich anziehen?“

Diese Nachricht bekomme ich jede Woche. Meistens gegen 22:40.

Deshalb hier die Antwort, sortiert nach den Fragen, die dabei wirklich zählen.

Was ziehe ich beim Businessshooting an?

Die kurze Version: Kleidung, in der du dich vergisst, in gedeckten Farben, mit ruhigen Flächen und einem Schnitt, der sitzt.

Die lange Version steht im Rest dieses Artikels. Ein Prinzip zieht sich durch alles: Jedes Kleidungsstück auf einem Porträt macht genau eines von zwei Dingen. Es führt den Blick zu deinem Gesicht hin oder davon weg. Mehr Aufgaben hat es keine.

Welche Farben funktionieren auf Businessfotos?

Gedeckte, satte Farben gewinnen fast immer. Petrol, Marine, Waldgrün, Bordeaux, Anthrazit, warmes Grau, Camel.

Zwei Farben brauchen Vorsicht:

Reines Weiß leuchtet stärker als deine Haut. Die Kamera stellt sich auf die hellste Fläche im Bild ein, und dein Gesicht rutscht dabei ins Dunkle. Ein warmes Off-White oder Creme löst das Problem in einer Sekunde.

Kräftiges Rot, Neongrün und Knallgelb werfen ihre Farbe nach oben zurück. Auf dem Foto liegt dann ein grüner Schimmer auf deinem Kinn, den vorher niemand gesehen hat.

Welche Farben dein Gesicht wach aussehen lassen und welche dich blass wirken lassen, klärst du am besten lange vor dem Termin. Elisabeth Clancy berät online als Farb- und Stilberaterin und schickt ihr Toolkit vorab zu dir nach Hause. Danach weißt du, warum dir Petrol steht und Beige dich krank aussehen lässt.

Welche Muster gehören vor die Kamera?

Ruhige Flächen und große, klare Muster funktionieren.

Feine Streifen, enges Karo, Fischgrat und Pepita machen dagegen etwas Eigenartiges: Sie erzeugen auf dem Kamerasensor ein Flimmern, den sogenannten Moiré-Effekt. Auf dem Bildschirm entsteht ein schillerndes Wellenmuster, das sich in der Bearbeitung kaum entfernen lässt.

Test für zu Hause: Halte das Kleidungsstück eine Armlänge weit weg und schau darauf. Sobald das Muster anfängt zu tanzen, bleibt es im Schrank.

Logos gehören zur gleichen Kategorie. Sie datieren dein Bild auf die Saison genau und lenken den Blick auf deine Brust statt auf deine Augen.

Welcher Ausschnitt und welcher Kragen sitzen am besten?

Ein leicht offener Kragen oder ein sanfter V-Ausschnitt öffnet den Bereich zwischen Kinn und Schultern. Das Gesicht bekommt Raum.

Hochgeschlossene Rollkragen schieben das Kinn optisch nach unten und lassen den Hals verschwinden. Sehr tiefe Ausschnitte ziehen den Blick nach unten, weg von deinen Augen.

Ärmel schlagen ärmellos fast immer. Nackte Oberarme leuchten heller als dein Gesicht und holen Aufmerksamkeit dorthin, wo sie wenig nützt. Ein Dreiviertelarm gibt dir außerdem die Möglichkeit, die Ärmel hochzukrempeln — das lockert sofort die ganze Erscheinung.

Wie viele Outfits brauche ich?

Für ein Shooting von zwei Stunden reichen drei Kombinationen:

  1. Business: dein Auftritt für Vortrag, Beratung, Bühne
  2. Business Casual: dein Alltag im Büro oder Videocall
  3. Persönlich: dein Lieblingsteil, in dem du dich sofort wohlfühlst

Diese drei decken Website, LinkedIn, Instagram und Presse ab. Und die dritte Kombination liefert erfahrungsgemäß das Bild, das du am Ende überall verwendest.

Der schnellste Weg zu diesen drei Outfits führt durch den eigenen Kleiderschrank statt durch die Innenstadt. Natascha Fresneau macht als Imageberaterin genau diesen Check und findet die Teile, die längst bei dir hängen.

Was ist mit Brille, Schmuck und Make-up?

Brille: Wenn du sie täglich aufhast, kommt sie mit ins Bild. Deine Kundinnen erkennen dich damit. Lass die Gläser vorher entspiegeln oder reinigen und bring sie sauber mit.

Schmuck: Ein bis zwei Stücke reichen. Alles, was klimpert, bewegt sich und zieht den Blick.

Make-up: Matte Basis, sichtbare Augen, ein Ton mehr als im Alltag. Die Kamera flacht Kontraste ab. Für Männer gilt derselbe Satz in kurz: Mattierendes Puder gegen Glanz auf Stirn und Nase.

Die fünf häufigsten Fehler am Abend davor

  • Das neue Teil mit Etikett. Kleidung braucht ein paar Stunden am Körper, bevor sie natürlich fällt.
  • Knitterstoffe. Leinen sieht nach vier Minuten Autofahrt aus wie nach vier Stunden.
  • Schwarz auf dunklem Hintergrund. Die Schultern verschmelzen mit dem Hintergrund, der Kopf schwebt frei.
  • Der zu weite Schnitt. Ein Sakko, das an den Schultern absteht, macht die ganze Person unscharf.
  • Trendteile. Sie geben deinem Bild ein Ablaufdatum.

Was kommt mit zum Termin?

Fusselrolle, Dampfglätter oder Bügeleisen im Hotel, Ersatzoberteil in einer zweiten Farbe, Haarbürste, Blotting Papers, Wasser. Und Kleidung auf Bügeln statt zusammengefaltet in der Tasche.

Fazit: Zieh an, was du am Dienstag um zehn anhast

Deine Kundinnen begegnen dir im Videocall, auf der Bühne, im Beratungsgespräch. Dein Foto verspricht am besten genau die Person, die dort auftaucht.

Alles andere klären wir im Vorgespräch. Genau dafür gibt es das.

Erzähl mir in den Kommentaren: Welches Teil hängt bei dir im Schrank und wartet seit Monaten auf den richtigen Anlass?

Und wenn du Bilder willst, die sich nach dir anfühlen: Ruf mich an.

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