Angst vor Fotoshooting: 13 Jahre wegen einer schlechten Erfahrung

Autor:

Sandra Felke

Fotografin für Personenmarken, Trainerin der ASC-Methode®, seit 18 Jahren am Sucher. Sandra Felke arbeitet mit leisen Expertinnen, die fachlich überzeugen und online untergehen. Hier schreibt sie über Sichtbarkeit, Präsenz und den Weg von unsichtbar zu ausgebucht.

VERÖFFENTLICHT:
August 10, 2026
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Sie wartete auf ihren Mann, bevor sie sich nach dem Fototermin traute, ihre Galerie zu öffnen

Warum eine einzige negative Erfahrung uns 13 Jahre blockieren kann, sichtbar zu werden

Es gibt diesen Moment, über den kaum jemand spricht.

Die Mail ist da. Der Link zur Galerie liegt im Postfach. Und du machst erst mal die Spülmaschine aus. Beantwortest zwei Mails, die Zeit haben. Gehst noch kurz an die frische Luft.

Bei meiner Kundin dauerte das Ausweichen bis zum Abend.

Sie hat gewartet, bis ihr Mann von der Arbeit kam. Erst dann hat sie den Link angeklickt. Zu zweit auf dem Sofa, Laptop auf den Knien. Allein wollte sie das auf keinen Fall sehen.

Am nächsten Morgen klingelte mein Telefon. Kurz nach neun. Sie hat sich mit einem Satz gemeldet, den ich seitdem im Ohr habe:

„Wie kann man so viele krass gute Bilder machen?“

Dreizehn Jahre, fünf Bilder

Um zu verstehen, warum eine gestandene Unternehmerin Angst vor ihren eigenen Fotos hatte, drehen wir die Zeit zurück. Dreizehn Jahre.

Ihr letzter Fototermin damals fühlte sich an wie ein Marathon. Stunde um Stunde vor der Kamera. Umziehen, warten, Anweisungen befolgen, wieder umziehen. Irgendwann frieren die Muskeln im Gesicht ein vom Lächeln. Der Blick wird leer. Der Kopf macht Feierabend, während der Körper weitere Posen macht.

Am Ende: fünf brauchbare Bilder. Fünf. Nach einem ganzen Tag. Die Auswahl eine Qual.

Und dann passiert das, was ich immer wieder erlebe. Sie hat den Fotografen mit keinem Wort verantwortlich gemacht. Sie hat das Urteil bei sich abgeliefert:

„Bei mir sieht das eben so aus.“ „Ich bin einfach schwierig zu fotografieren.“ „Auf Fotos wirke ich immer komisch.“

Diesen letzten Satz höre ich so oft, dass ich einen eigenen Artikel darüber geschrieben habe. Er beschreibt selten ein Gesicht. Er beschreibt eine Erinnerung.

Und diese Erinnerung zieht dreizehn Jahre lang ihre Kreise. Ganz leise. Sie sitzt dabei, wenn die Website gebaut wird und das alte Bild wieder mitwandert. Sie sitzt dabei, wenn eine Presseanfrage kommt und der Ordner nur alte Dateien hergibt. Sie sitzt dabei, wenn jemand fragt: „Machst du ein kurzes Video dazu?“

Und jedes Mal gewinnt sie.

Ich kenne diesen Mechanismus zu gut

Mit sechzehn hat jemand einen Satz über meine Oberschenkel gesagt. Ein Nebensatz zwischen Tür und Angel. Für die Person: zwei Sekunden. Für mich: ein Jahr, in dem sich alles ums Essen drehte und meine Noten so weit abrutschten, dass ich vor dem Rausflug von der Schule stand. Erst da bin ich aufgewacht.

Ein Satz. Ein Jahr meines Lebens. Und die Person, die ihn gesagt hat, erinnert sich mit Sicherheit an keine Silbe davon.

Genau deshalb nehme ich Sätze ernst, die Menschen über sich selbst sagen. Vor der Kamera höre ich sie jede Woche.

Wie sie überhaupt bei mir gelandet ist

KI Suche sei dank. Der Anlass war ein Zufall.

Sie hatte einen Termin bei einem Fotografen, mit dem sie schon einen Probetermin hatte. Kurz vor dem Fototermin kam die Absage.

Also stand sie wieder am Anfang. Und suchte neu. Bei mir hat sie sich gemeldet — mit einer ordentlichen Portion Panik im Gepäck.

Diese Panik hat sie mir vorher beschrieben. Und ehrlich: Genau das schätze ich. Wer mir sagt, wovor es ihm graut, gibt mir den wichtigsten Hinweis für die Arbeit im Fototermin. Damit arbeite ich.

Der Fototermin lief locker

Wir haben im Vorfeld gesprochen. Über ihr Business. Über die Bilder, die sie tatsächlich braucht. Über die Stellen, an denen diese Bilder später auftauchen: Website, LinkedIn, Angebote, Vorträge. Und über die Frage, die abends um 22:40 Uhr immer noch kommt — was ziehe ich eigentlich an.

Am Termin selbst kamen zuerst Haare und Make-up. Diese Zeit hat eine Nebenwirkung, die viele unterschätzen. Jemand kümmert sich um dich. Du sitzt einfach da. Die Schultern gehen runter und ert dann schalte ich die Kamera ein.

Wir haben uns unterhalten. Gelacht. Ich habe kleine Aufgaben gegeben und dann gewartet. Denn das Bild entsteht meistens eine Sekunde nach der Anweisung — in dem Moment, in dem der Körper loslässt und das Gesicht wieder natürlich wirkt.

Nach rund drei Stunden hatten wir alles, was auf ihrer Liste stand.

Sie hat mir hinterher gesagt, wie locker sich das angefühlt hat. Das höre ich oft. Und es hat wenig mit Magie zu tun. Wer vorher weiß, wofür die Bilder gedacht sind, hört nach drei Stunden auf statt nach acht.

Warum die Galerie der schwerste Moment ist

Über den Bildtag redet jeder. Über den Abend danach redet kaum jemand.

Dabei liegt genau dort die Spannung. Wir öffnen unsere eigenen Bilder mit derselben Anspannung, mit der wir einen Befund vom Arzt lesen. In dieser Sekunde entscheidet sich, ob unser Bild über uns selbst und das Bild auf dem Bildchirm zueinander passen.

Bei ihr passte es. Deshalb der Anruf am nächsten Morgen.

Am Ende hat sie dreißig Bilder ausgewählt. Und ihre Auswahl so beschrieben: Diesmal war es eine Qual, sich von einigen Bildern zu trennen.

Von fünf müden Fotos zu dreißig, die sie liebt. Dazwischen liegen dreizehn Jahre und ein einziger Tag.

Was den Unterschied macht, hat wenig mit der Kamera zu tun

An dieser Stelle möchte ich etwas klarstellen. Es gibt viele Fotografinnen und Fotografen, die technisch hervorragend arbeiten. Licht, Objektive, Bildsprache — das beherrschen andere genauso gut.

Der Unterschied liegt woanders.

Ich habe gelernt, hinzuhören. Wirklich hinzuhören. Ich höre den Satz hinter dem Satz, wenn jemand sagt: „Von links sehe ich besser aus.“ Ich sehe, wann die Schultern hochgehen und wann der Atem flacher wird.

Ich führe durch den Prozess. Ich passe mich an, wenn jemand Raum braucht. Und ich übernehme die Führung, wenn genau das gerade fehlt. Diesen Wechsel spüre ich in dem Moment, in dem er nötig wird.

Und ich bringe Ruhe mit. Ruhe springt über. Sie wirkt vor jeder Anweisung und stärker als jeder Tipp zur Körperspannung.

Das sind Soft Skills. Sie funktionieren unabhängig von jeder Kamera und von jedem Stück Fotowissen. Sie funktionieren im Verkaufsgespräch, im Meeting, auf der Bühne, in jedem Gespräch, das zählt.

Deshalb gebe ich sie heute weiter. In meinem Praxistraining für Wirkung zeige ich Menschen genau das: hinhören, führen, im richtigen Moment nachgeben, Ruhe ausstrahlen. Die Fähigkeiten, die aus einem angespannten Menschen einen präsenten machen.

Angst vor dem Fotoshooting haben viele Menschen

Was so eine Erfahrung im Business kostet

Der sichtbare Teil ist schnell erzählt. Auf der Website steht ein Bild aus einer anderen Lebensphase. Auf LinkedIn ein Ausschnitt aus einem Familienfoto, Cousin weggeschnitten. Bei jeder Anfrage nach einem Foto gibt es erst Kramen, dann Seufzen.

Der unsichtbare Teil wiegt schwerer.

Wer sich für schwer fotografierbar hält, hält sich auch sonst zurück. Weniger Video. Weniger Bühne. Weniger Gesicht im eigenen Content. Die Kamera wird zum Stellvertreter für alle Situationen, in denen jemand genau hinschaut.

Und dabei entscheidet sich so vieles in Sekunden. Menschen sortieren dich ein, lange bevor sie deine Referenzen lesen. Ein altes, fremd wirkendes Bild legt dich in eine Schublade, aus der du dich danach mühsam wieder herausarbeitest. Was diese Zurückhaltung an Anfragen kostet, habe ich an anderer Stelle durchgerechnet.

Der volle Kalender bremst dich ein paar Wochen. Eine schlechte Erfahrung bremst dich Jahre. Und der Kalender bekommt die Schuld.

Fünf Fragen, die dir vorher Sicherheit geben

Gibt es ein Gespräch vor dem Termin? Wer dich fotografiert, ohne dein Business zu kennen, produziert hübsche Bilder ohne Verwendung. Im Vorgespräch klärt sich, welche Bilder deine Website, dein Profil und deine Angebote wirklich brauchen.

Sind Haare und Make-up dabei? Diese Zeit dient dem Ankommen genauso wie dem Aussehen.

Wie lang dauert der Termin? Frag konkret nach. Ein klarer Zeitrahmen schützt deine Energie. Nach drei bis vier Stunden lässt die Konzentration nach — und das sieht man später in den Augen.

Wie läuft die Führung vor der Kamera? Frag danach, wie so ein Tag abläuft. Gute Führung arbeitet mit Bewegung, Gespräch und kleinen Aufgaben. Sie holt Reaktionen statt Posen.

Wie läuft die Auswahl? Eine kommentierte Galerie, eine Empfehlung, ein Gespräch dazu. Allein vor hundert Bildern von sich selbst zu sitzen, überfordert die meisten Menschen.

Der Satz, den du überschreiben darfst

Dreizehn Jahre lang hielt sie sich für schwierig zu fotografieren. Sie hatte ja den Beweiß dafür. Einen ganzen Tag Fototermin und fünf müde Bilder als Ergebnis. 

Ein neuer Fototermin hat gereicht, um diesen Glaubenssatz zu ersetzen.

Genau so funktionieren Erfahrungen, die uns ausbremsen. Sie verlieren ihre Macht in dem Moment, in dem eine neue Erfahrung daneben steht.

Und jetzt du: Welcher Satz über dich selbst stammt aus einer einzigen Situation, die längst vorbei ist?

#wirkungsvoll — dein wöchentlicher Live Talk

Einmal pro Woche treffe ich mich live mit meiner Community #wirkungsvoll. Wir sprechen über die Dinge, die sonst hinter verschlossener Tür bleiben.

Über Scham. Über Schuldgefühle. Über die Angst vor dem Bild, das du von dir selbst hast — und vor dem Bild, das andere sich von dir machen.

Es sind die leisen Themen. Die, über die alle schweigen. Und sobald eine Person anfängt, nicken plötzlich alle anderen mit.

30 Minuten echte Gespräche und Lösungen für deine Herausforderungen rund um das Thema Sichtbarkeit.

Die aktuellen Termine findest du im Kalender der Community.

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